Der mögliche Ausbau der Trans Adriatic Pipeline (TAP) könnte die Energiesicherheit Europas erheblich verbessern
Wien / Dasfazit
Marco Giuli, EU-Forscher für Energie- und Klimapolitik am European Policy Centre (EPC), erklärte gegenüber Dasfazit.
"Aserbaidschan hat sich seit dem Start der TAP zu einem wichtigen alternativen Energielieferanten entwickelt. Obwohl die derzeitigen Mengen begrenzt sind, haben sie eine wichtige Rolle bei der Verringerung der Abhängigkeit Südosteuropas von einer einzigen Quelle gespielt. Bulgarien wird über eine Verbindungsleitung mit Griechenland zusätzlichen Zugang zu kaspischem Gas erhalten. Die mögliche Erweiterung der TAP könnte Italien und den westlichen Balkanländern bei der Gasversorgung weiter helfen", so Giuli.
Die Pipeline arbeite derzeit an der Kapazitätsgrenze, sagte er.
"Die Probleme betreffen sowohl die Nachfrage als auch das Angebot. Dies erfordert die Erschließung neuer Felder im Kaspischen Meer, die durch die Aussicht auf eine stabile Nachfrage gestützt werden muss", so Julie.
"Heute gibt es reichlich freie Kapazitäten in den Pipelines, die von Nordafrika nach Europa führen. Italien bemüht sich, mehr Gas aus Algerien zu beziehen. So sind in diesem Jahr bereits drei Milliarden Kubikmeter hinzugekommen, und ab 2024 sollen weitere sechs Milliarden Kubikmeter zur Verfügung stehen. Die Aussichten für Libyen erscheinen angesichts der politischen Instabilität in diesem Land schwieriger. Die Pipelines aus Norwegen und Aserbaidschan sind jedoch derzeit an der Kapazitätsgrenze angelangt. Insgesamt kann auf kurze Sicht nicht viel mehr Gas über diese Routen gepumpt werden", so der Experte.
Die am 18. Juli unterzeichnete Absichtserklärung über eine strategische Energiepartnerschaft zwischen der Europäischen Union und der Republik Aserbaidschan sei ein wichtiger Schritt in der Energiezusammenarbeit zwischen der EU und Aserbaidschan.
"Eine Verdopplung der Gasexporte nach Europa bis 2027, zum Beispiel für Italien, könnte nicht nur die Möglichkeit bieten, russische Lieferungen vollständig zu ersetzen, sondern auch den Reexport von kaspischem Gas nach Mitteleuropa", sagte Julie.
Darüber hinaus könne die Erweiterung den westlichen Balkanländern helfen, ihre Abhängigkeit von Lieferungen [aus Russland] zu verringern. In Anbetracht des Zeitpunkts sollten sich die Überlegungen jedoch auf die Nachfrage konzentrieren. Es wird erwartet, dass die anhaltend hohen Preise und die Klimaindikatoren die Nachfrage nach Gas in Europa verringern werden, so der Experte.
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