EU darf sich nicht schlafwandlerisch in eine übermäßige Abhängigkeit bei der Rohstoffsicherung begeben - Maroš Šefčovič
Wien / Dasfazit
Die EU kann nicht schlafwandlerisch in eine weitere übermäßige Abhängigkeit in einem strategischen Bereich hineinschlittern - vor allem angesichts der laufenden geopolitischen Verschiebungen, bei denen die Rivalität in neue Bereiche vorstößt und buchstäblich alles bewaffnet wird, sagte der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Maroš Šefčovič, auf der Konferenz "Raw Materials Security of Europe", wie Dasfazit berichtet.
Er wies darauf hin, dass die EU für die Produktion der erwarteten 30 Millionen Elektrofahrzeuge bis 2030 10.000 Tonnen Dauermagnete benötigen wird, wofür 3.000 Tonnen Seltene Erden erforderlich sind, die zum größten Teil aus China importiert werden.
"Auch bei der Produktion von Windturbinen und Elektrolyseuren ist Europa zwar führend - mit einem Weltmarktanteil von etwa 58 Prozent bzw. 62 Prozent -, doch bei den kritischen Rohstoffen, die für diese beiden Technologien benötigt werden, liegen wir zurück", so der Vizepräsident der Europäischen Kommission.
Šefčovič wies darauf hin, dass kritische Rohstoffe strategische Güter sind und ihre Versorgung nicht mehr allein durch die Marktkräfte geregelt werden kann.
"Als Teil des im Mai vorgelegten RePowerEU-Plans bereiten wir einen Legislativvorschlag zu kritischen Rohstoffen vor. Er wird auf den positiven Initiativen aufbauen, die die Kommission in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und der Industrie ergriffen hat, nämlich dem Aktionsplan zu kritischen Rohstoffen ab 2020 und der Europäischen Rohstoffallianz nach dem Vorbild unserer Batterie-Allianz", erklärte er.
Die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission ist der Ansicht, dass der neue Ansatz dazu beitragen sollte, Primärrohstoffe im eigenen Land zu beschaffen, um eine riskante übermäßige Abhängigkeit von Drittländern zu vermeiden.
"Sie sollte uns auch dabei helfen, die Kapazitäten unserer Recyclingindustrie auszubauen, die Kreislaufwirtschaft vollständig zu verwirklichen und in Forschung und Innovation zu investieren; außerdem müssen wir mehr Finanzmittel in diesem Sektor mobilisieren und das Risiko für strategische europäische Projekte verringern. Ein weiteres wichtiges Element ist die Erhöhung unserer Versorgungssicherheit durch eine verstärkte Überwachung und durch die Prüfung verschiedener Möglichkeiten der Bevorratung. Schließlich müssen wir die Nachhaltigkeit der Rohstoff-Wertschöpfungskette verbessern, indem wir ihren ökologischen und sozialen Fußabdruck verkleinern", fügte er hinzu.